Einführung

Liebe Leser und Leserinnen dieser Webseite,

 

Goethes Faust gilt als bahnbrechendes Meisterwerk der deutschen Literaturgeschichte. Meist unverstanden und im Regal zum Schicksal einer leeren bildungsbürgerlichen Demonstration verurteilt. Der zweite Teil des Faust ist vermutlich noch weniger bekannt. 

Es soll ja nie zu spät sein für neue Erkenntnisse.

Theater soll spannend sein und aufklären, erklärt der Direktor im Vorspiel vor dem Theater in Goethes Faust (1), die Menschen sollten sich vor dem Kassenhäuschen um die letzten Eintrittskarten prügeln.

Vor einigen Jahren zeigte das Thalia-Theater in Hamburg eine Gesamt-Faust-Aufführung an einem Abend - über knapp 8 Stunden. In denen klassisches  (Teil I) und modernes Revuetheater kombiniert und mit wissenschaftlichen Exkursen zum Verständnis kombiniert wurden.

 

Mit Langzeitwirkung.

 

Rund 40 Jahre nach dem Abitur fiel bei mir endlich der Groschen, warum ich in den 60iger Jahren den Faust II nicht zu lesen brauchten. Jetzt weiß ich,  dass ich ihn nicht lesen sollte - zu gefährlicher Inhalt, wenn ich ihn denn verstanden hätte.

 

Es lohnt, sich mit dem Faust auseinanderzusetzen. Und es ist nie zu spät.

Text: Jochen Hanisch

Die Aktualität des Faust für die Gegenwart

Zu Lebzeiten Goethes kamen In das damals wirtschaftlich rückständige und in Kleinstaaten zergliederte Deutschland Nachrichten aus anderen Ländern über wissenschaftliche Forschungen und technische Erfindungen, die Aufsehen erregten, auch sogleich aufgegriffen und technisch umgesetzt wurden (etwa der Einsatz der Dampfmaschine zum Betrieb von Bergwerkspumpen). Doch war es zur Zeit Goethes noch kaum zu erahnen, dass die Dampfmaschine und andere Erfindungen eine industrielle Umwälzung einleiten würden, die sich bis heute fortsetzt. Goethe hat erspürt , dass eine völlig neue Epoche begann. 

 

Wir beschäftigen uns besonders mit der Person des Dr. Faust, der sich von einem scholastischen Wissenschaftler zu einem machtbesessenen, rücksichtslosen, stets unzufriedenen Unternehmer entwickelt, so wie er nur wenige Jahre später von den marxistischen Theoretikern als Bourgeois beschrieben wurde. 

 

Goethes Faust kann als Lehrstück über den Kapitalismus als System gelesen und verstanden werden - für Goethe hatte die neu begonnene Epoche alle Merkmale einer Menschheitstragödie. 

 

Text: Jochen Hanisch, Harald Meyer

 

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