Geschichte über die Katastrophe für Philemon und Baucis

Faust erreicht mit Mephistos Hilfe seine Ziele und möchte am Schluss seines rastlosen Lebens auf einer Anhöhe ein „Luginsland“ errichten von dem aus er aller Welt zeigen können möchte, was er alles geschaffen habe. Auf dieser Anhöhe wohnen in ländlicher Idylle die beiden Alten Philemon und Baucis als Protago-nisten einer vergangenen Epoche. Sie wollen sich nicht von der Rastlosigkeit der neuen Epoche anstecken lassen.

 

Als zufriedene und bescheidene Menschen wollen sie ihre letzten Jahre auf dieser Anhöhe, stets geschützt vor Sturmfluten, verbringen. Doch Faust ist rasend vor Ungeduld. Philemon und Baucis "vergäl-len" ihm die Freude am Erreichten. Er schickt die Gehilfen von Mephisto zu den Alten um sie dazu zu bewegen, in eine andere Unterkunft zu ziehen. Es entsteht ein Gerangel im Zuge dessen das Haus und das Kirchlein und damit die beiden Alten und deren Gast in Flammen aufgehen.  Faust beruhigt sein schlechtes Gewissen – und wähnt sich fast am Ziel seiner Wün-sche.

 

Die Demonstration eigener Überlegenheit durch spektakuläre Bauten ist in unserer Gegenwart ein weit verbreitetes Mittel um auf sich aufmerksam zu machen. Die Elbphilharmonie in Hamburg ist ein besonders interessantes Beispiel für diesen Mechanismus einer Standortpolitik, die bei immer härterer globaler Konkurrenz immer irrwitzigere Sensationsprojekte hervorbringt. 

 

Eine  Pointe der Geschichte: Je schneller und schärfer sich die Konkurrenz-spirale dreht, desto schneller werden die Hamburger Konkurrenten alles in die Wege leiten, um die Elbphilharmonie noch zu übertrumpfen – ist unter diesen Voraussetzungen davon auszugehen, dass Fausts Träume je in Erfüllung gehen können? 

Bilder: Hanisch