Hat sich das weibliche Prinzip durchgesetzt?

Mephisto wettet mit dem HERRN, dass er es schaffen werde, Faust vom „rechten Weg“ abzubringen. Im ersten Teil findet das Gretchen-Drama statt. Sie lässt sich durch faustisches Blendwerk verführen und zahlt einen hohen Preis (Tod von Mutter und Bruder und des eigenen Kindes). Als Faust und Mephisto sie aus dem Kerker befreien wollen, weigert sie sich wegen des unheimlichen Kompagnons (Mephisto) mitzugehen ("Heinrich mir graut vor Dir"), sie zieht den Tod durch den Henker der teuflischen Befreiung vor und kehrt rechtzeitig auf den „rechten Weg“ zurück.  

 

Hier hätte der HERR seine Wette gewonnen.

 

Die Beschwörung von Helena führt zu einer idyllischen Ruhephase für Faust, der mit ihr in einem Palast in Sparta lebt und mit Helena ein Kind bekommt (Euphorion). Die Idylle endet, als Euphorion beim Höhenflug abstürzt und stirbt, worauf Helena wieder zurück in die Unterwelt zu den „Müttern“ geht.

Kurz vor seinem Lebensende trifft Faust auf die „Sorge“ (ein altes Weib), die ihm vorwirft, ohne Sorge durch die Welt geeilt zu sein. Das heißt: rücksichtslos, ohne auf die Kollateralschäden zu achten. Sie schlägt ihn mit Blindheit in der Hoffnung, dass Faust auf diese Weise zur Besinnung und „auf den rechten Weg“ zurückfinden möge.

Philemon und seine Frau Baucis sind als einiges Paar (der Vergangenheit) weitere Pole des weiblichen Prinzips, auch sie lassen sich nicht verführen und ziehen den Tod vor.

Am Ende wird die Seele des Faust von Engeln gerettet und zu Gretchen im Himmel gebracht – der Herr taucht nirgendwo mehr auf, Mephisto mit einem Trick betrogen und das Stück endet mit dem rätselhaften Schlusschor:

 

Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis,

Das Unzulänglich, hier wird’s Ereignis;

Das Unbeschreibliche, hier ist es getan;

 

das ewig Weibliche zieht uns hinan.